Stand: Juli 2026
Bei 4.500 € brutto (rund 2.900 € netto) zahlt die gesetzliche Krankenkasse ab Woche 7 rund 2.610 € Krankengeld brutto – nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge bleiben davon rund 2.286 € netto. Das sind rund 610 € weniger pro Monat als Dein gewohntes Netto. Ab wann sich eine private Krankentagegeldversicherung lohnt, hängt davon ab, ob Du diese Lücke aus Rücklagen dauerhaft tragen kannst – wenige Monate ja, mehrere Monate für die meisten nicht.
Das Wichtigste in Kürze
• 6 Wochen Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber, danach bis zu 72 Wochen gesetzliches Krankengeld (§ 48 SGB V) – insgesamt max. 78 Wochen pro Krankheit in drei Jahren. • Krankengeld: 70 % des Bruttolohns, max. 90 % des Nettolohns (§ 47 SGB V). • 2026er Höchstbetrag: 135,63 € pro Kalendertag (70 % der Beitragsbemessungsgrenze GKV von 5.812,50 € / Monat, Sozialversicherungsrechengrößen-Verordnung 2026). • Vom Brutto-Krankengeld gehen weiter Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherungsbeiträge ab – nicht der Krankenkassenbeitrag. Das reduziert das Netto nochmals um rund 12 %. • Privates Krankentagegeld ist steuerfrei nach § 3 Nr. 1 Buchst. a EStG und unterliegt nicht dem Progressionsvorbehalt.
Wer zahlt was – und wie lange?
Als gesetzlich versicherter Angestellter bekommst Du in den ersten 6 Wochen 100 % Deines Gehalts vom Arbeitgeber (Entgeltfortzahlungsgesetz). Ab Woche 7 übernimmt die gesetzliche Krankenkasse und zahlt Krankengeld nach § 47 SGB V – für maximal 72 Wochen wegen derselben Krankheit innerhalb von drei Jahren. Die Faustregel: Ab Woche 7 fällst Du vom vollen Netto auf das gedeckelte Krankengeld – und diese Deckelung tut weh.
Wie hoch ist das Krankengeld tatsächlich? (Rechenbeispiel)
Die 70/90-Regel klingt harmlos, ist es aber nicht. Ein vereinfachtes Beispiel für einen Angestellten in Steuerklasse I, gesetzlich versichert: • Bruttogehalt: 4.500 € / Monat • Nettogehalt (ca.): 2.900 € / Monat • 70 % vom Brutto: 3.150 € • 90 % vom Netto: 2.610 € → das ist der bindende Deckel • Abzüglich rund 12 % Sozialversicherungsbeiträge (Renten-, Arbeitslosen-, Pflegeversicherung) ≈ 2.286 € Krankengeld netto Ergebnis: rund 610 € Lücke pro Monat gegenüber dem gewohnten Netto (rund 21 %). Alle Beträge sind gerundet und stark vereinfacht – die exakte Höhe hängt von Beitragssätzen, Zusatzbeitrag und Familienstand ab.
Wann greift der absolute Tages-Deckel von 135,63 €?
Der Höchstbetrag von 135,63 € pro Tag (2026) betrifft nur Einkommen oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze der GKV von 5.812,50 € brutto pro Monat. Im Beispiel oben (4.500 € brutto) ist der Deckel nicht die bindende Grenze – da wirkt die 90-%-Netto-Regel. Erst darüber wird es kritisch. Zweites Beispiel: • Bruttogehalt: 6.500 € / Monat (über BBG) • Krankengeld maximal: 135,63 € × 30 = 4.068,90 € brutto • Nach ca. 12 % Sozialabgaben: rund 3.581 € netto • Gewohntes Netto: ca. 4.100 € • Lücke: rund 520 € / Monat – und alles darüber verdiente Gehalt ist gar nicht versichert. Je höher Dein Einkommen über der BBG liegt, desto größer wird die absolute Lücke.
Wie schließt eine Krankentagegeldversicherung die Lücke?
Eine private Krankentagegeldversicherung zahlt Dir – zusätzlich zum gesetzlichen Krankengeld – ein vereinbartes Tagegeld ab einem selbstgewählten Zeitpunkt (Karenzzeit, z. B. ab Tag 43 oder Tag 92). Du legst die Höhe so fest, dass Krankengeld plus Tagegeld Dein gewohntes Netto ergeben. Wichtig: Die Summe aus gesetzlichem Krankengeld und privatem Tagegeld darf Dein Nettoeinkommen nicht überschreiten (Bereicherungsverbot, § 200 VVG).
Was kostet Krankentagegeld?
Als grobe Orientierung – nicht als Angebot: Für einen 35-jährigen, gesunden Angestellten in einem kaufmännischen Beruf bewegen sich die Beiträge typischerweise im niedrigen zweistelligen Bereich pro Monat für ein Tagegeld, das die genannte Lücke schließt. Die tatsächliche Prämie hängt stark ab von: Alter, Beruf, Gesundheitszustand, gewählter Karenzzeit, Tagegeldhöhe und Versicherer. Für eine belastbare Zahl braucht es einen individuellen Vergleich.
Worauf solltest Du im Tarif achten?
Prüfe unabhängig vom Versicherer diese Punkte: • Karenzzeit passend zum Arbeitgeber (z. B. ab Tag 43 wenn Lohnfortzahlung endet) • Nahtloser Übergang zur Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Doppelzahlung, aber auch ohne Lücke • Dynamik: Tagegeld sollte mit dem Gehalt mitwachsen können, ohne neue Gesundheitsprüfung • Nachversicherungsgarantien bei Lebensereignissen (Gehaltssprung, Selbstständigkeit) • Verzicht auf das ordentliche Kündigungsrecht des Versicherers – ein zentrales Qualitätskriterium, das nicht in jedem Tarif enthalten ist • Weltweite Geltung und Regelung bei Aufenthalten im Ausland Diese Punkte entscheiden über den echten Wert des Vertrags – nicht der monatliche Beitrag allein.
Wie wird Krankentagegeld steuerlich behandelt?
Hier werden zwei Dinge oft verwechselt: Das gesetzliche Krankengeld ist zwar steuerfrei nach § 3 Nr. 1 Buchst. a EStG, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt (§ 32b Abs. 1 Nr. 1 Buchst. b EStG) – es erhöht also den Steuersatz auf Dein übriges Einkommen. Das private Krankentagegeld aus einer privaten Krankentagegeldversicherung ist ebenfalls steuerfrei (§ 3 Nr. 1 Buchst. a EStG), ist aber nicht in § 32b EStG aufgeführt und löst deshalb keinen Progressionsvorbehalt aus. Für gutverdienende Angestellte ist das ein spürbarer Vorteil gegenüber anderen Ersatzleistungen.
Häufige Fragen
Fazit
Die Krankengeld-Lücke ist real, messbar und trifft besonders Angestellte mit mittlerem bis hohem Einkommen. Ob eine private Krankentagegeldversicherung für Dich Pflicht oder Kür ist, hängt davon ab, wie lange Du 500–1.000 € weniger im Monat aus Rücklagen tragen kannst – ohne dass Miete, Kredit oder Familie ins Wanken geraten. Für die meisten Angestellten ab 3.500 € brutto ist die Antwort: nicht sehr lange.

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