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Erwerbsminderungsrente 2026: volle oder teilweise — und wie viel Geld kommt an?

11. August 2026 9 Min Jann
Erwerbsminderungsrente 2026: volle oder teilweise — und wie viel Geld kommt an?

Stand: August 2026

Die volle Erwerbsminderungsrente bekommst Du, wenn Du auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt weniger als 3 Stunden täglich arbeiten kannst; zwischen 3 und unter 6 Stunden gibt es nur die teilweise Erwerbsminderungsrente in halber Höhe (§ 43 SGB VI). Der durchschnittliche Zahlbetrag einer neu bewilligten Erwerbsminderungsrente lag im Zugangsjahr 2024 bei 1.041 Euro monatlich — für die meisten Arbeitnehmer deutlich unter dem bisherigen Nettoeinkommen.

Volle oder teilweise Erwerbsminderungsrente — was gilt wann?

Entscheidend ist nicht Deine Diagnose und auch nicht Dein erlernter Beruf, sondern allein Dein verbliebenes Leistungsvermögen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt — gemessen in Stunden pro Tag. Die Abgrenzung steht wörtlich in § 43 SGB VI. Wer noch 6 Stunden oder mehr täglich irgendeine Tätigkeit ausüben kann, erhält keine Erwerbsminderungsrente — auch dann nicht, wenn er seinen bisherigen Beruf nicht mehr ausüben kann. Genau diese Lücke schließt nur eine private Berufsunfähigkeitsversicherung.

KriteriumVolle ErwerbsminderungsrenteTeilweise Erwerbsminderungsrente
Restliches Leistungsvermögenunter 3 Stunden täglich3 bis unter 6 Stunden täglich
Rentenhöhe100 % des errechneten Anspruchs50 % des errechneten Anspruchs
Hinzuverdienstgrenze 202620.763,75 € im Jahrmindestens 41.527,50 € im Jahr (individuell ggf. höher)
Bezug auf den Berufnein — allgemeiner Arbeitsmarktnein — allgemeiner Arbeitsmarkt
Befristungin der Regel auf 3 Jahre, verlängerbarin der Regel auf 3 Jahre, verlängerbar
Volle vs. teilweise Erwerbsminderungsrente (§ 43 SGB VI, Stand 2026)

Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen?

Neben dem medizinischen Leistungsvermögen musst Du zwei versicherungsrechtliche Hürden nehmen: die allgemeine Wartezeit von 5 Jahren und mindestens 3 Jahre Pflichtbeiträge in den letzten 5 Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung (§ 43 Abs. 1 und 2 SGB VI). Wer länger als zwei Jahre nicht sozialversicherungspflichtig gearbeitet und keine Anrechnungszeiten hat, verliert den Anspruch — ein häufig übersehenes Risiko bei langen Auszeiten, Selbstständigkeit oder Auslandsjahren.

  • Allgemeine Wartezeit: 5 Jahre Versicherungszeit in der gesetzlichen Rentenversicherung.
  • Pflichtbeiträge: mindestens 36 Monate in den letzten 60 Monaten vor Eintritt der Erwerbsminderung.
  • Medizinisch: Leistungsvermögen dauerhaft unter 6 Stunden täglich, nachgewiesen durch ärztliche Gutachten der Deutschen Rentenversicherung.
  • Rehabilitation geht vor Rente: Vorher wird geprüft, ob Reha die Erwerbsfähigkeit wiederherstellen kann.

Wie hoch ist die Erwerbsminderungsrente 2026?

Die Höhe berechnet sich wie eine Altersrente aus Deinen Entgeltpunkten — plus der sogenannten Zurechnungszeit. Diese rechnet Dich so, als hättest Du bis zum gesetzlich festgelegten Endalter mit Deinem bisherigen Durchschnittsverdienst weitergearbeitet (§ 59 SGB VI). Bei einem Rentenbeginn im Jahr 2026 endet die Zurechnungszeit mit 66 Jahren und 3 Monaten — nicht erst mit 67 (Übergangsregelung § 253a SGB VI). Multipliziert werden die Entgeltpunkte mit dem aktuellen Rentenwert, der seit dem 1. Juli 2026 bei 42,52 Euro liegt — die Rentenanpassung 2026 betrug 4,24 Prozent (Rentenwertbestimmungsverordnung 2026, BGBl. 2026 I Nr. 178, siehe gesetze-im-internet.de).

Die Staffelung lohnt sich zu kennen: Das Endalter der Zurechnungszeit wird seit 2019 schrittweise angehoben. Bei Rentenbeginn 2025 endete sie mit 66 Jahren und 2 Monaten, 2026 mit 66 Jahren und 3 Monaten, 2027 mit 66 Jahren und 4 Monaten — die vollen 67 Jahre gelten erst ab einem Rentenbeginn im Jahr 2031 (§ 253a SGB VI). Je später die Rente beginnt, desto mehr fiktive Monate werden also gutgeschrieben.

RentenbeginnZurechnungszeit endet mit
202566 Jahre 2 Monate
202666 Jahre 3 Monate
202766 Jahre 4 Monate
ab 203167 Jahre
Endalter der Zurechnungszeit nach Rentenbeginn (§ 253a SGB VI)

Von diesem Betrag gehen Abschläge ab: 0,3 Prozent für jeden Monat, den die Rente vor dem maßgeblichen Referenzalter beginnt, maximal 10,8 Prozent bei 36 Monaten. Diesen Abzug trägt praktisch jeder Erwerbsminderungsrentner, weil er unabhängig davon greift, wie früh die Erkrankung eintritt. Zusätzlich sind von der Bruttorente noch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge abzuziehen — der ausgewiesene Zahlbetrag von durchschnittlich 1.041 Euro (Rentenzugang 2024, Statistik der Deutschen Rentenversicherung) ist bereits der Betrag nach diesen Beiträgen.

GruppeDurchschnittlicher Zahlbetrag pro Monat
Alle Erwerbsminderungsrenten1.041 €
Männer1.078 €
Frauen1.010 €
Durchschnittlicher Zahlbetrag der Erwerbsminderungsrenten im Rentenzugang 2024 (Deutsche Rentenversicherung)

Wie viel darf ich 2026 dazuverdienen?

Bei voller Erwerbsminderungsrente darfst Du 2026 genau 20.763,75 Euro im Jahr hinzuverdienen, bei teilweiser Erwerbsminderungsrente mindestens 41.527,50 Euro. Bei der teilweisen Erwerbsminderungsrente ist der Wert ausdrücklich eine Mindestgrenze: Wer vor der Erkrankung überdurchschnittlich verdient hat, bekommt eine höhere, individuell berechnete Hinzuverdienstgrenze. Die aktuellen Werte veröffentlicht die Deutsche Rentenversicherung. Wird die Grenze überschritten, wird der übersteigende Betrag zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet — die Rente entfällt also nicht sofort komplett.

Wichtig für die Praxis: Der Hinzuverdienst darf die Stundengrenze nicht sprengen. Wer als voll Erwerbsgeminderter regelmäßig mehr als 3 Stunden täglich arbeitet, riskiert die Rente unabhängig von der Verdienstgrenze, weil dann das medizinische Leistungsvermögen neu bewertet wird.

Zuschlag für Bestandsrenten: Was seit Dezember 2025 gilt

Der befristete Zuschlag von 7,5 beziehungsweise 4,5 Prozent nach § 307j SGB VI wurde zum 30. November 2025 abgelöst. Seit dem 1. Dezember 2025 gilt stattdessen ein dauerhafter Zuschlag an persönlichen Entgeltpunkten nach § 307i SGB VI. Für 2026 heißt das: Der Zuschlag ist Teil der laufenden Rentenberechnung und wird bei jeder Rentenanpassung mit dynamisiert — er läuft nicht mehr als separater, statischer Betrag mit. Betroffen sind Bestandsrenten mit Rentenbeginn zwischen 2001 und 2018 beziehungsweise 2019 und 2020.

Die Lücke zum letzten Nettogehalt

Bei einem Nettoeinkommen von 2.400 Euro und einer Erwerbsminderungsrente von 1.041 Euro fehlen monatlich rund 1.359 Euro — das sind knapp 57 Prozent des bisherigen Nettos. Über zehn Jahre summiert sich diese Lücke auf über 160.000 Euro. Gesetzlich abgesichert ist damit nur das Existenzminimum, nicht der Lebensstandard. Wie Du diese Lücke schließt, zeigt unser Artikel zum Thema Arbeitskraft absichern, und für die kurzfristige Absicherung während der Krankheit der Artikel zum Krankengeld und der Krankentagegeld-Lücke.

Pro und Kontra der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente

ProKontra
Automatischer Schutz ohne Gesundheitsprüfung und ohne ZusatzbeitragDurchschnittlich nur 1.041 € Zahlbetrag — meist rund die Hälfte des letzten Nettos
Zurechnungszeit bis 66 Jahre und 3 Monate (Rentenbeginn 2026) wertet die Rente deutlich aufAbschlag von bis zu 10,8 % trifft praktisch jeden Betroffenen
Auch bei Erkrankung in jungen Jahren Anspruch, sofern Wartezeit erfülltKein Berufsschutz: entscheidend ist irgendeine Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
Hinzuverdienst bis 20.763,75 € (volle EM) bzw. mindestens 41.527,50 € (teilweise EM) möglichAnspruch entfällt ohne 36 Pflichtbeitragsmonate in den letzten 5 Jahren
Dauerhafter Entgeltpunkte-Zuschlag für Bestandsrenten seit Dezember 2025Befristung auf meist 3 Jahre — Verlängerung erfordert erneute Begutachtung
Pro und Kontra der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente aus Sicht eines Arbeitnehmers

Fazit

Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente ist eine Grundsicherung, keine Einkommensersatzleistung. Sie greift erst unterhalb von 6 Stunden Leistungsvermögen täglich, kennt keinen Berufsschutz und zahlt im Schnitt 1.041 Euro monatlich. Für Arbeitnehmer heißt das: Der gesetzliche Schutz ist die Basis, die private Absicherung der Arbeitskraft entscheidet darüber, ob der Lebensstandard im Ernstfall hält.

Häufige Fragen zur Erwerbsminderungsrente 2026

Direkt anschlussfähig ist außerdem Doppelverbeitragung der Betriebsrente: Wie viel bleibt 2026 wirklich übrig? und der praktische Guide zu Riester letzte Chance 2026: Bis 31.12. abschließen oder aufs Altersvorsorgedepot warten?.

Jann
Jann

Gründer & lizenzierter Finanzberater (§34d/34f GewO) · FINABLE

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