Stand: Juli 2026
Ab dem 1. Januar 2027 dürfen Anbieter keine neuen Riester-Verträge mehr ausgeben. Bis zum 31. Dezember 2026 abgeschlossene Verträge genießen dagegen einen dauerhaften Bestandsschutz — mit der alten Förderung: 175 Euro Grundzulage pro Jahr, bis zu 300 Euro Kinderzulage pro Kind (185 Euro für vor 2008 geborene Kinder) und dem Sonderausgabenabzug bis 2.100 Euro pro Jahr. Ein Riester-Neuabschluss 2026 lohnt sich für Arbeitnehmer aber nur noch in zwei Konstellationen: Familien mit mehreren jüngeren Kindern und Gutverdiener mit hohem Grenzsteuersatz. Für alle anderen ist Warten auf das ab 2027 startende Altersvorsorgedepot in der Regel die bessere Wahl.
Was ändert sich zum 1. Januar 2027?
Mit dem Altersvorsorgereformgesetz (AVRG, Bundestags-Drucksache 21/4088) endet die Riester-Rente in ihrer bisherigen Form. Konkret bedeutet das: Anbieter dürfen ab dem 1. Januar 2027 keine neuen Riester-Verträge mehr ausgeben. Bestehende Verträge dürfen wie gewohnt und mit der bisherigen Förderung weitergeführt werden — das nennt sich Bestandsschutz. Parallel starten am 1. Januar 2027 zwei neue geförderte Produkte: das renditeorientierte Altersvorsorgedepot (mit oder ohne Beitragserhaltungsgarantie) und ein Standarddepot mit gedeckelten Effektivkosten von maximal 1,0 Prozent pro Jahr.
Für Dich als Arbeitnehmer heißt das: Wer 2026 noch abschließen will, hat bis zum 31. Dezember 2026 Zeit. Danach ist die Tür zu — endgültig. Ein Wechsel aus einem bestehenden Riester-Vertrag in die neue Förderung ist auch später noch möglich, aber der Weg zurück in die alte Riester-Systematik ist nach einem Wechsel für immer versperrt.
Für wen ein Riester-Neuabschluss 2026 noch sinnvoll ist
Zwei Personengruppen profitieren nach unserer Einschätzung noch klar von einem Neuabschluss vor dem Stichtag: Familien mit mehreren nach 2008 geborenen Kindern und Gutverdiener mit einem Grenzsteuersatz jenseits von 40 Prozent. Grund ist die Zulagen- und Steuerlogik der alten Riester-Rente, die für diese Konstellationen rechnerisch attraktiver bleibt als das neue System.
Beispiel Familie: Zwei nach 2008 geborene Kinder ergeben 175 Euro Grundzulage plus 2 × 300 Euro Kinderzulage — zusammen 775 Euro staatliche Förderung pro Jahr, wenn der Mindesteigenbeitrag von 4 Prozent des Vorjahresbruttos (abzüglich Zulagen, mindestens 60 Euro) eingezahlt wird. Im neuen System läge die maximale Grundzulage bei 540 Euro und die Kinderzulage bei 300 Euro pro Kind (aber nur bei einem Eigenbeitrag von 300 Euro je Kind). Die alte Systematik ist bei mehreren Kindern schlicht großzügiger.
Beispiel Gutverdiener: Wer 2.100 Euro Jahresbeitrag leistet und einen Grenzsteuersatz von 42 Prozent hat, spart über den Sonderausgabenabzug rund 882 Euro Steuern pro Jahr — im Alt-Riester ohne Kinderabzug oft der wichtigere Hebel als die Zulage selbst. Die neue Förderung deckelt die Zulage bei 540 Euro und läuft parallel zur Günstigerprüfung — für Grenzsteuersätze über 40 Prozent bleibt Alt-Riester rechnerisch häufig vorne, solange die Produktkosten stimmen.
Für wen sich das Warten auf das Altersvorsorgedepot lohnt
Für Singles und Paare ohne Kinder mit Grenzsteuersatz unter 40 Prozent und für alle, denen die Riester-Produktkosten schon in der Vergangenheit ein Dorn im Auge waren, ist Warten ab 2027 in der Regel die bessere Option. Das Altersvorsorgedepot erlaubt erstmals eine echte ETF-basierte Anlage in der geförderten Altersvorsorge — inklusive der Möglichkeit einer 80-Prozent-Garantie statt der bisherigen 100-Prozent-Beitragserhaltungsgarantie. Das öffnet höhere Aktienquoten und damit spürbar höhere Renditechancen über 30 bis 40 Jahre Ansparzeit.
Zusätzlich gilt für das Standarddepot ab 2027 eine gesetzliche Kostenobergrenze von 1,0 Prozent Effektivkosten pro Jahr. Zum Vergleich: Klassische Riester-Rentenversicherungen liegen laut Verbraucherzentrale-Analysen häufig bei 1,5 bis über 2 Prozent Effektivkosten — jeder Prozentpunkt mehr entzieht Deiner Rente über 30 Jahre grob ein Fünftel des Endvermögens. Wer jung ist und lange anspart, sollte das nicht unterschätzen.
Riester 2026 (alt) vs. Altersvorsorgedepot 2027 (neu) im Vergleich
| Merkmal | Riester (Abschluss bis 31.12.2026) | Altersvorsorgedepot (ab 1.1.2027) |
|---|---|---|
| Grundzulage max. | 175 € pro Jahr | 540 € pro Jahr (50 ct bis 360 €, dann 25 ct bis 1.800 €) |
| Kinderzulage | 300 € pro Kind (ab 2008), 185 € (vor 2008) | bis zu 300 € pro Kind bei 300 € Eigenbeitrag/Kind |
| Sonderausgabenabzug | bis 2.100 € pro Jahr | bis 3.000 € pro Jahr (geplante Neuregelung) |
| Berufseinsteigerbonus | keiner | einmalig 200 € bei Abschluss vor dem 25. Geburtstag |
| Garantie | 100 % Beitragsgarantie (Pflicht) | wählbar: 100 %, 80 % oder ohne Garantie |
| Kostendeckel | keiner | 1,0 % Effektivkosten pro Jahr (nur Standarddepot) |
| Auszahlung | Verrentungspflicht (Leibrente) | Leibrente oder Auszahlplan mind. bis 85. Lebensjahr |
| Anlage in ETFs möglich? | eingeschränkt (Riester-Fondssparpläne) | ja, aus gesetzlicher Positivliste |
Die Zahlen für den Sonderausgabenabzug ab 2027 basieren auf dem aktuellen Regierungsentwurf und können sich im weiteren Gesetzgebungsverfahren noch ändern. Grundzulage, Kinderzulage und Berufseinsteigerbonus sind dagegen in der BMF-FAQ zur Reform bereits abschließend beziffert.
Bestand behalten oder in die neue Förderung wechseln?
Wenn Du bereits einen Riester-Vertrag hast, musst Du zum 1. Januar 2027 nichts tun — der Bestandsschutz greift automatisch. Du hast drei Wahlmöglichkeiten. Erstens: alten Vertrag mit alter Förderung weiterlaufen lassen. Zweitens: alten Vertrag behalten, aber gegenüber dem Anbieter erklären, dass Du in die neue Fördersystematik wechseln willst — sonstige Konditionen bleiben unverändert. Drittens: Kompletten Wechsel in einen Neuvertrag (Altersvorsorgedepot oder Garantieprodukt) ab 2027 — dabei können Wechsel- und Abschlusskosten anfallen, aber die bisherige Förderung muss nicht zurückgezahlt werden.
Wichtig: Der Weg zurück ist versperrt. Wer einmal in die neue Förderung wechselt, kann nicht mehr in die alte Riester-Systematik zurück. Vor einer solchen Entscheidung lohnt sich der Blick auf den individuellen Mindesteigenbeitrag — der Riester-Rechner der Deutschen Rentenversicherung rechnet das für den konkreten Fall aus.
Riester-Neuabschluss 2026: Pro und Kontra
| Pro | Kontra |
|---|---|
| Dauerhafter Bestandsschutz mit alter Förderung. Bei Familien mit mehreren Kindern nach 2008 rechnerisch attraktiver als das neue System. Für Gutverdiener über 40 Prozent Grenzsteuersatz oft weiter lukrativ über den Sonderausgabenabzug. Weiterhin volle Beitragsgarantie — planbar für sicherheitsorientierte Sparer. | Hohe Produktkosten belasten die Rendite über die Laufzeit erheblich. Verrentungspflicht mit oft mageren Rentenfaktoren. Keine ETF-Direktanlage möglich. Kein Berufseinsteigerbonus. Wer nach dem Abschluss in die neue Förderung wechseln will, verliert das Rückkehrrecht in die alte Systematik. Für Singles und Paare ohne Kinder mit mittlerem Einkommen rechnet sich das neue Altersvorsorgedepot fast immer besser. |
Was Du bis zum 31. Dezember 2026 tun solltest
- Rechnen: Prüfe mit dem Riester-Rechner der Deutschen Rentenversicherung, wie hoch Deine Zulage im Alt-System konkret ausfällt.
- Einordnen: Vergleiche das Ergebnis mit den 540 Euro Grundzulage und dem geplanten Sonderausgabenabzug bis 3.000 Euro im neuen System.
- Beraten lassen: Ein Neuabschluss ist eine 30- bis 40-Jahres-Entscheidung — Produktkosten und Wechseloptionen sollten unabhängig geprüft werden.
- Bestandsvertrag: Wenn Du schon Riester hast, keine Panik-Kündigung. Der Bestandsschutz greift automatisch und ist wertvoll.
- Wohn-Riester: Neuabschlüsse für Tilgungsförderung sind ebenfalls nur noch bis 31.12.2026 möglich — hier gilt derselbe Stichtag.
Mehr Details zur Ersatzlösung findest Du in unserem Leitfaden zum Altersvorsorgedepot ab 2027. Wie Du Deine Rentenlücke sauber berechnest, zeigt der Beitrag Rentenlücke berechnen und schließen. Für Gutverdiener mit hohem Grenzsteuersatz ist ergänzend die Rürup-Rente als Steuersparmodell oft der stärkere Hebel als Riester. Und wenn Du prüfen willst, wie stark die Doppelverbeitragung eine spätere Betriebsrente schmälert, hilft der Artikel zur Direktversicherung 2026. Die Zahlen zur Reform stammen aus der BMF-FAQ zur Reform der privaten Altersvorsorge sowie dem Regierungsentwurf des Altersvorsorgereformgesetzes (Drucksache 21/4088). Den individuellen Mindesteigenbeitrag rechnet der Riester-Rechner der Deutschen Rentenversicherung aus.
Häufige Fragen zu Riester 2026

Gründer & lizenzierter Finanzberater (§34d/34f GewO) · FINABLE
Schreibt über Steueroptimierung, Altersvorsorge und Vermögensaufbau – verständlich, transparent und ohne Vertriebsdruck.



